Aussagekraft im Bewerbungsanschreiben

Aussagekraft im Bewerbungsanschreiben

29. März 2018 - Geschrieben von: Lena Flecke

GASTBLOG VON THOMAS BÄHREN. Das Schreiben von Bewerbungen ist – wie allseits bekannt ist – ziemlich schwierig und eine große Herausforderung für jeden Bewerber. Ich weiß es aus Erfahrung, denn ich schreibe schon seit vielen Jahren aus beruflichen Gründen Bewerbungen. Als Inhaber des Bewerbungsservice Thomas Bähren unterstütze ich meine Kunden bei der Erstellung von Bewerbungen.

Viele Bewerber haben große Probleme, sich ins rechte Licht zu rücken und ihre Kompetenzen und Stärken überzeugend darzustellen. In großer Verzweiflung greifen sie dann auf Vorlagen aus dem Internet zurück, in denen die Phrasendreschmaschine auf Hochtouren läuft:

  • mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen…
  • Sie suchen eine flexible und kommunikative Office Managerin? Jetzt haben Sie sie gefunden…
  • Da mir an kontinuierlicher Weiterbildung und dem zielgerichteten Ausbau meiner Kenntnisse gelegen ist, bewerbe ich mich heute bei der XY GmbH
  • mit meinen erworbenen Kenntnissen aus den unterschiedlichsten Bereichen möchte ich Sie davon überzeugen, tatkräftig und entschieden am Erfolg der XY GmbH mitarbeiten zu können.
  • Ich bin teamfähig, flexibel, kommunikativ, zuverlässig und organisationsstark.
  • Aufgrund meiner Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft sehe ich keine Schwierigkeit darin, mir erforderliches Know-how zügig anzueignen.
  • Ich freue mich, meine Fähigkeiten, meine gute Auffassungsgabe und meine flexible Denk- und Arbeits­weise aktiv in Ihr Unternehmen einzubringen.

Aber alle oben genannten Sätze bringen keinen Informationsgehalt, keine Aussage- und Überzeugungskraft, son­dern nur Phrasen und die Aneinanderreihung von schön klingenden Eigenschaften. Und bei diesen Bewerbungs­vorlagen wird völlig übersehen, dass ein Personaler womöglich 100 eingegangene Bewerbungen auf eine Stellen­anzeige lesen muss und in gefühlt 75 % der Bewerbungen immer wieder die gleichen (nichtssagenden) Sätze auftauchen.

In diesem Text möchte ich Ihnen eine kleine Hilfestellung geben, wie Sie Schritt für Schritt Ihr Anschreiben mit Aussagen, mit Informationen und mit Fakten gestalten. Denn das sind die Punkte, die einen Leser der Bewer­bung, also in aller Regel einen Mitarbeiter der Personal- oder Fachabteilung eines Unternehmens, interessieren: was bringt der Bewerber konkret an Erfahrungen und Kenntnissen mit, die für mein Unternehmen nützlich sind?

Vorbereitung

Bevor Sie mit der Bewerbung beginnen, schauen Sie sich das Stellenangebot genau an. Gleichen Sie die dort ge­nannten Aufgaben und Anforderungen mit Ihren eigenen Qualifikationen ab. Steht dort, dass ein BWL-Abschluss und mindestens drei Jahre Erfahrung im Vertrieb zwingend sind? Oder dass fließende Englischkenntnisse in Wort und Schrift vorausgesetzt werden? Oder aber sind bestimmte Kenntnisse oder Erfahrungen nur wünschenswert?

Prüfen Sie ehrlich, ob die Stelle zu Ihnen passt und ob Sie den Anforderungen größtenteils gerecht werden! Wenn Sie feststellen, dass Sie mit den Anforderungen überhaupt nicht mithalten können, dann macht eine Be­werbung meistens keinen Sinn. Falls Sie aber bei den wichtigsten Voraussetzungen und bei den beschriebenen Aufgaben sagen können, das passt, das kann ich, das habe ich schon gemacht, dann legen Sie los mit der Bewer­bung!

Einleitung

Da der Personaler nicht viel Zeit für jede einzelne Bewerbung hat, sollten Sie direkt am Anfang des Anschreibens – nach der Anrede – ohne großartige Umschweife und Einleitungssätze mit der Tür ins Haus fallen und die wichtigs­ten Argumente liefern. Nennen Sie im Idealfall Ihren Abschluss und die wesentlichen Erfahrungen, die für die ausgeschriebene Stelle relevant sind:

  • Sehr geehrter Herr XY,
    als ausgebildete Kauffrau für Büromanagement biete ich Ihnen fünf Jahre Berufspraxis als rechte Hand des Geschäftsführers sowie in der Betreuung von Kunden und Geschäftspartnern.

Wenn Sie Schüler oder Student sind, können Sie dies analog mit Schul- oder Studienkenntnissen, Praktika oder Jobs machen:

  • Sehr geehrter Herr XY,
    sehr gute Leistungen in meinem Bachelorstudium International Management, ein Semester Auslandser­fahrung in den USA sowie ein sechsmonatiges Praktikum im Marketing qualifizieren mich für Ihr Trainee-Programm.

An die Einleitung anknüpfen

Anschließend sollten Sie an den Köder, den Sie mit dem ersten Absatz ausgeworfen haben, anknüpfen und Ihre wesentlichen Kompetenzen konkret und selbstbewusst schildern:

  • Zu meinen Schwerpunkten bei der ABC GmbH gehören die Unterstützung der Führungsebene bei Konferenzen und Kundenmeetings, die Prüfung von Verträgen sowie die Bereitstellung aller Informationen und Dokumente für Lieferantenverhandlungen.

Auch der schon erwähnte Student sollte in seiner Schilderung konkret bleiben und mit Fakten punkten:

  • Innerhalb des Praktikums bei der ZYX AG arbeitete ich aktiv an der Jahresplanung der Marketingaktivitä­ten und der Entwicklung von Kommunikationskonzepten im Bereich XY mit. Ebenso assistierte ich bei der Planung eines Messeauftritts und der Erstellung von Informationsmaterialien für die Kunden.

Falls Sie noch weitere Argumente aus Beruf, Studium, Praktikum, Ausbildung oder Schule anbringen können, dann ergänzen Sie Ihre bisherigen Ausführungen:

Die Kauffrau für Büromanagement führt beispielsweise weitere Verantwortungsbereiche auf:

  • Weiterhin bin ich für die Vorbereitung von Sitzungen, die Planung von großen Veranstaltungen mit über 500 Gästen und das gesamte Termin- und Reisemanagement der Geschäftsführung verantwortlich.

Und der Student kann in einem Satz seine Excel-Kenntnisse, seine Erfahrung in der Arbeit mit betrieblichen Kenn­zahlen und seine Präsentationsfähigkeiten schildern:

  • Ich erstellte einen Excel-Sheet mit den wichtigsten Kennzahlen zu Absätzen, Produkten und Kunden, die ich vor der Marketingleitung präsentierte und die in die anschließende Entwicklung zielgerichteter Maßnahmen zur Produktneueinführung eingeflossen sind.

Zusatzkenntnisse und Arbeitsergebnisse

Was kann der Bewerber noch „On-Top“ bieten? Wenn Ihre Arbeit zu besonderen Resultaten geführt hat, dann gehen Sie ruhig darauf ein. Nicht nur Führungskräfte oder Vertriebsmitarbeiter erzielen Arbeitsergebnisse. Jeder Bewerber kann überlegen, was er Besonderes geleistet und mit seiner Arbeit erreicht hat.

Als Kauffrau für Büromanagement kann das vielleicht so aussehen:

  • Mit der zügigen Klärung von Reklamationen und der schnellen Bereitstellung von Informationsmateria­lien für die Kunden habe ich wesentlich zu einer hohen Kundenbindung und -zufriedenheit beigetragen.

Ebenso können hier weitere Kenntnisse konkret dargestellt werden:

  • Bei meinen Aufgaben arbeite ich täglich mit Salesforce sowie den Office-Programme Excel, Word und PowerPoint.

Als Student haben Sie die Möglichkeit, näher auf bestimmte Studienkenntnisse oder Studienprojekte einzugehen:

  • Meine Studienschwerpunkte liegen in der Distributions- und Kommunikationspolitik (jeweils mit der Note 1,3) sowie im Produktmanagement (Note: 2,0). In einem praxisorientierten Gruppenprojekt erar­beitete ich zudem einen Marketingplan für ein Unternehmen der Süßwarenindustrie.

Falls möglich, können Sie – gerade als Schüler oder Student – auch auf eine Referenzperson hinweisen, die über Ihre Leistungen aus Schule, Studium oder Praktikum Auskunft geben kann:

  • Gerne bestätigt Ihnen auch Herr Max Muster, Marketingleiter meines Praktikumsbetriebes XYZ GmbH (Tel.: 0123 – 456 789) meine ausgeprägten analytischen und kommunikativen Stärken.

Abschluss des Anschreibens

Wenn Sie alle wichtigen und relevanten Erfahrungen, Kenntnisse, Qualifikationen und Arbeitsergebnisse präsen­tiert haben, ist das Wichtigste gesagt. Am Schluss können Sie noch auf Ihre Motivation eingehen. Hier ist es zum Beispiel möglich, dass Sie rüberbringen, was Sie an der Stelle oder an dem Unternehmen besonders anspricht.

  • Die Aufgabe im Office Management der XYZ GmbH & Co. KG überzeugt mich aufgrund des internationalen Arbeitsumfeldes und der Möglichkeit, zusätzliche Verantwortung in der Projektleitung zu übernehmen, besonders.
  • Im März werde ich mein Studium mit guten Leistungen abschließen. Ein Berufseinstieg bei der ABC AG spricht mich aufgrund Ihrer Spezialisierung auf digitale Marketingmaßnahmen und Mobile Advertising besonders an. Ihr Team kann ich ab dem 01.04.20XX verstärken.

Im letzten Absatz finden ebenso Angaben zur Gehaltsvorstellung oder zum möglichen Eintrittstermin Platz. Außerdem sollten Sie mit einem kurzen Abschlusssatz darauf hinweisen, dass Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden möchten:

  • Auf ein Gespräch mit Ihnen freue ich mich sehr.

Fazit

Dass Sie ein kommunikativer, analytischer oder organisationsstarker Mensch sind, können Sie – wie die Formulie­rungsbeispiele gezeigt haben – durch die Beschreibung konkreter praktischer Erfahrungen belegen. Und wenn Sie besondere Leistungen, betriebswirtschaftlich relevante Erfahrungen, Arbeitsergebnisse, Erfolge oder erreichte Ziele nennen, sagt das in der Regel mehr über unternehmerisches Denken aus, als wenn Sie lapidar behaupten, dass Sie über eine unternehmerische Denkweise verfügen. Deshalb halten Sie sich – so gut es geht – an Fakten und Informationen, um den Personaler von Ihrer Eignung zu überzeugen.

Thomas Bähren, Inhaber Bewerbungsservice

www.besser-bewerben.com

 

 

Teilen auf Social Media

Verfassen Sie einen Kommentar

Reagieren

Felder mit einem * sind Pflichtfelder.